Balloberflächen – Ein Überblick

Wie wir wissen ist Reibung der wichtigste Faktor, wenn es darum geht, mit einem Bowlingball auf der geölten Bahn einen bestimmten Bogenlauf zu erzeugen. Mit der Wahl der jeweiligen Oberfläche können wir bestimmen wann der Ball anrollt. Wenn wir uns einmal anschauen, warum genau ein Bowlingball überhaupt einen Bogen laufen kann, fällt schnell auf, warum es so wichtig ist, diesen Zeitpunkt zu kontrollieren.

Wann macht der Ball einen Bogen?

Eine rutschende Kugel ohne jegliche Rotation kann seine Richtung nicht ändern. Eine rollende Kugel, die mit jeder Umdrehung bei vollem Kontakt zur Bahnoberfläche genau die Entfernung Ihres eigenen Umfangs zurücklegt, kann ebenfalls keinen Bogen laufen. Beobachten wir einen Bowlingball auf der Bahn, sehen wir, dass er erst rutscht und dann rollt. Genau in dem Moment, in dem der Ball von der rutschenden in die rollende Phase übergeht, kann er seine Laufrichtung ändern. Man bezeichnet diese drei Phasen als „Skid“ – „Hook“ – „Roll“.

Wenn wir den Ball an der Foullinie in Richting Pins loslassen, trägt der Ball eine bestimmte Menge an Energie. Diese setzt sich zusammen aus der Bewegungsenergie durch Masse mal Geschwindigkeit und der Rotationsenergie durch Masse mal Umdrehung. Diese Energie ist durch uns nur begrenzt vorhanden. Auf dem Weg die Bahn hinunter verbraucht der Ball Energie. Hauptsächlich durch Reibungswiderstand verliert der Ball in den ersten Metern an Geschwindigkeit. Ist Wurf- und Rotationsrichtung ähnlich, sehen wir auch eine Beschleunigung der Drehzahl. Es wird also Bewegungsenegie in Rotationsenergie umgewandelt. Am meisten Energie verlieren wir, wenn der Ball auf den trockenen, nicht geölten Bereich der Bahn trifft. Dort ist der Reibungswiderstand am größten, die Umwandlung von Bewegungs- in Rotationsenergie am deutlichsten und ist der Ball erstmal komplett in seine Rollphase übergegangen, verliert er hauptsächlich Energie durch den Rollwiderstand.

Rollt der Ball zu früh an, verliert er nicht nur unnötig viel Energie durch den Rollwiderstand, auch der Einschlagswinkel in die Pins wird sehr flach, womit der Pinfall schlechter wird.
Rollt der Ball zu spät an, erzeugen wir keinen guten Einschlagswinkel und der Ball wird mangelns Traktion stärker von den Pins abgelenkt.

Grundsätzlich gilt:

Umso matter die Oberfläche, desto früher rollt der Ball an.
Umso polierter die Oberfläche, desto später rollt der Ball an.

Gängige Körnungen

320 / 500 / 1000 / 2000 / 4000
Natürlich gibt es auch Zwischenstufen. Wirklich bedeutsam sind diese aber nicht.

Gängige Polituren

Die meisten Hersteller haben mind. zwei Polituren, eine rauhe und eine feine.
Um eine mittlere medium Politur auf den Ball zu bringen, wird meist auf einen 320er oder 500er Schliff die rauhe Politurpaste aufgetragen.
Um eine hochglänzende Politur zu erreichen wird mindestens mit 1000er Korn vorgeschliffen und danach die feine Politurpaste aufgetragen.

Kombinationen

Gerne experementieren die Hersteller mit den unterschiedlichsten Kombinationen. Häufig findet man z.B. Bälle, die erst grob geschliffen wurden, dann mit der rauhen Politur und zusätzlich noch mit der feinen Politur auf hochglanz gebracht wurden. Oder statt in kleinen Schritten ein 4000er Finish zu erzeugen, direkt nach 500er Korn 4000er benutzt wird.
Ja, ein 500/4000er Finish erzeugt ein anderes Rollverhalten als ein 500/1000/2000/4000er Finish. Allerdings finde ich persönlich ein 500/1000/2000er Finish funktioniert besser als ein 500/4000er Finish.

Haltbarkeit der Oberflächenzustände

Ein matter Ball wird mit jedem einzelnen Wurf immer glänzender, ein polierter immer stumpfer. Hersteller empfehlen das Oberflächenfinish bereits nach 10 spielen wieder herstellen zu lassen. In der Tat ist es so, dass bereits nach wenigen Spielen die Reibungsstärke von einem 2000er Finish der eines 4000er gleicht.
In der Praxis ist es für den Gelegensheitssportbowler nicht notwendig, seine Bälle alle 10 Spiele neue schleifen bzw. polieren zu lassen. Alle 100 bis 200 Spiele, bzw. ein bis zwei mal im Jahr reicht vollkommen aus. Die Spitzensportler, die wirklich davon profitieren können, stehts mit optimalen Equipment auf der Bahn zu stehen, haben meist Sponsoren, die sie regelmäßig mit neuem Ballmaterial versorgen.

Wiederherstellen bzw. Verändern der Oberfläche

Matte Oberflächen kann man sehr gut selbst von Hand in Schuss halten. Entsprechendes Schleifvlies oder Pads bekommt man im gut sortierten Baumarkt oder im Fachhandel. Einfach mit der gewünschten Körnung feste den Ball abreiben.
Polierte Bälle sollte man vom Fachpersonal im Bowlingladen bearbeiten lassen. Klar kann man das auch selbst machen, aber ohne eine Maschine, wie einen Ballspinner, wird man sich gut zwei drei Stunden lang an einem Ball die Finger wund schrubben. Mit der Maschine dauert es 5 – 10 Minuten. Ausserdem ist das Resultat von Hand nicht mal annähernd so gut wie mit der Maschine.

Zusammenspiel Oberflächenzustand mit Schalenmaterial

Die größte Variable des Schalenmaterials die Reibung erzeugt ist die Fähigkeit Öl zu absorbieren. Umso schneller Öl in die Schale einziehen kann, desto mehr Reibung kann auf dem gesamten Weg die Bahn hinunter erzeugt werden. Dies wird einerseits durch die Molekularstruktur des Materials selbst bestimmt, andererseits natürlich auch durch die Menge an Öl die auf einer bestimmten Fläche einziehen soll. Unter dem Mikroskop betrachtet erkennt man, dass sich die Oberläche bei einem mit groben Korn geschliffenen Ball vergrößert. Durch die tiefen Täler und hohen Berge der Schleiflinien entsteht mehr Kontaktfläche und die selbe Menge an Öl kann schneller einziehen als bei einem fein geschliffenen bzw. polierten Ball.

Vor- und Nachteile von verschiedenen Oberflächenzuständen

Während ein mit groben Korn geschliffener Ball auf dem geölten Teil der Bahn zusätzlich zur Ölabsorbation noch mehr Reibung erzeugen kann, weil seine im Querschnitt gezackte Oberfläche durch das Öl durchstechen kann und die Spitzen der Schleiflinien direkten Kontakt zur Bahnoberfläche bekommen, verliert er gegenüber dem fein polierten Ball auf dem trockenen Teil der Bahn Traktion – weil eben nur die Spitzen der Schleiflinien die Bahn berühren. Der matte Ball bringt also nur Vorteile auf der Bahn, wenn soviel Öl auf der Bahn ist, dass ein polierter Ball zu lange rutscht und es nicht vollständig bis in die Rollphase schafft.

Ziel der Ballwahl sollte es also sein, eine gute Abstimmung an Reibung im mittleren Bahnbereich und Traktion im Backend zu erzeugen. Dann landet auch die maximal verfügbare Energie in den Pins.